Eine kürzlich in Berlin vorgestellte Studie hat sich mit dem Problem „Exzellenzinitiative“ beschäftigt und aufgezeigt, dass das 1,9 Milliarden Euro schwere Programm teilweise Probleme geschaffen hat, die es ohne das Programm gar nicht gegeben hätte.
„Zwar antwortet die Exzellenzinitiative gezielt auf Probleme der Spitzenforschung an deutschen Universitäten, für andere grundlegende Probleme bringt sie jedoch keine Abhilfe“, sagt Stephan Leibfried, Herausgeber der Studie. Auftraggeber ist die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften. 14 Autoren haben sich über ein Jahr mit der Problematik Exzellenzinitiative beschäftigt. Leibfried befürchtet, dass die Exzellenzinitiative „bundesweit gesehen zu Ungleichheiten zwischen Fächern und zu Überspezialisierungen ganzer Wissenschaftlergenerationen führen“ kann. Diese Überspezialisierung stellt vor allem für Naturwissenschaftler eine Gefahr dar, da sie so das nötige Breitenwissen verlieren. Die Initiative ermöglicht es Doktoranden und Doktorandinnen derzeit, an kostspieligen Projekten zu forschen, mittelfristig jedoch droht der Wegfall der finanziellen Mittel, so Mitautor Michael Zürn.
Die Exzellenzinitiative führe dazu, dass die Universität als Institution immer mehr in ein Wettbewerbsformat gedrängt werde und die Unterfinanzierung dadurch noch weiter verschärft werde, so Michael Zürn. Das führt unweigerlich zu Konflikten an den Universitäten infolge von Ungleichheiten. Auf den Punkt gebracht: Solange die Finanzierung der Exzellenzinitiative anhält, profitieren die Studierenden von den erhöhten finanziellen Mitteln, doch sobald das Projekt ausgelaufen ist, können die nun nicht mehr unterstützten Projekte nur weiterfinanziert werden, wenn an anderer Ecke gespart wird.
Bereits jetzt gibt es an vielen Hochschulen eine finanzielle Konzentration an der Spitze und ein offener Kampf um finanzielle Mittel. Aus diesem Grund warnen die Autoren der Studie davor, dass „kleine Fächer“ auf Dauer durch die Exzellenzinitiative benachteiligt werden könnten. Als Lösung der Problematik sieht Leibfried die Breitenförderung und den Ausbau weg von Sonderprojekten. Der Bund müsse sich dauerhaft für Hochschulen engagieren und den Hochschulpakt ausbauen.


