Kreativität besteht aus zwei Komponenten: das verrückte und das exakte Denken. In einer Denkweise sind wir alle sehr gut ausgebildet. So fehlt es nicht an einer Fülle von Fachwissen und einer Menge an Klausuren in kurzer Zeit, sondern am Mut zum verrückten Denken, also der fehlerfreundlichen und Regeln missachtenden Denkweise, mangelt es den meisten Studierenden leider.
Doch gerade das Zusammenspiel aus beiden Denkweisen bringt neue, kreative und frische Ideen hervor. Die bleiben leider meist auf der Strecke, wenn nur das exakte Denken verlangt wird. Aber die Schuld liegt nicht allein beim Bologna-Prozess: So hat sich doch im Laufe der deutschen Hochschulgeschichte ein eher konservativer Begriff von Bildung etabliert. Bildung beweist sich demnach durch möglichst umfassendes Allgemeinwissen und ausgezeichnetes Fachwissen.
Das eigentliche Ziel der Bologna-Reform, Kompetenzen und die Handlungsfähigkeit in den Mittelpunkt des Studiums zu stellen, ist gehörig in die Hose gegangen. Prüfen Professoren doch heute nur noch eingetrichtertes Wissen ab. Einen ersten Verbesserungsvorschlag hat es in der Politik bereits gegeben: Den Bachelor auf 8 Semester (oder abgeschwächt auf 7 Semester) erhöhen und die gewonnene Zeit gleichmäßig als Kreativität auf alle Semester verteilen. So würde das reine Auswendiglernen von Fachwissen durch kreatives Denken aufgelockert und interessanter gestaltet werden können.
Institutionell müsste sich vor allem bei der Professorenschaft etwas verändern: Das, was heute die Forschung ist, müsste zukünftig die Einübung selbstständiger und kreativer Handlungskompetenzen sein. Somit müssten Professoren mehr Zeit in der Betreuung von Projekten verbringen und weniger in der reinen Wissensvermittlung. Dadurch würden Studierende besser geschult werden im Problem lösen und im verrückten Denken und ihr gesammeltes Fachwissen auch sinnvoll und innovativ anwenden können. Denn ein Studium sollte mehr sein, als Auswendig lernen.



