46 Länder Europas haben ihre Hochschulsysteme synchronisiert. Die Anerkennung klappt trotzdem nicht. Außerdem fehlt es an Geld und Informationen. Das ist das Fazit der Vereinigung Europäischer Hochschulen (EUA) nach 10 Jahren Bologna.
821 Hochschulen und deren Vertretungen wurden befragt, daneben 27 nationale Rektorenkonferenzen. Die daraus entstandene Studie „Trends 2010“ wurde vergangenen Donnerstag offiziell zur Tagung der Bildungsminister aus den 46 am Bologna-Prozess teilnehmenden Staaten vorgestellt. Bei dieser Tagung soll besprochen werden, wie es bis 2020 weiter geht mit dem Thema Bologna.
1999 wurde die Bologna-Erklärung im italienischen Bologna unterzeichnet. Jeder der 46 Unterzeichner verpflichtete sich, bis 2010 einen einheitlichen europäischen Hochschulraum zu schaffen. Dies sollte bedeuten, dass sich innerhalb dieses Raumes Studierende und Lehrende frei und grenzenlos bewegen können sollten. Abschlüsse sollten ebenfalls einheitlich lauten: Bachelor, Master und Doktor. Die „Leistungswährung“ wurde der Credit Point.
80 % der deutschen Hochschulen haben jetzt Bachelor und Master als einzige Abschlüsse eingeführt. International sind es 95 % der Hochschulen.
Doch das Ziel, die Mobilität der Studierenden zu erhöhen, wurde laut Studie schlecht umgesetzt. Zwar hat niemand vorher gefragt, wie die Mobilität sich verändert hat, jedoch gab in der Studie knapp die Hälfte der befragten Hochschulen an, dass sie durch Bologna eine „leichte Verbesserung“ der Mobilität erwarten. Jede fünfte Hochschule gab allerdings an, dass sich bei der Mobilität gar nichts verbessere. Weiterhin bestehen Ost-West-Barrieren, vor allem durch Visumsbeschränkungen und Sprachbarrieren.
Die Anerkennung von im Ausland erlangten Prüfungsleistungen hat sich in den zehn Jahren der Umsetzung europaweit kaum verbessert. Der Prozentwert der Hochschulen, welche angegeben haben, dass sie keinerlei Probleme mit dem Anerkennen von Prüfungsleistungen aus dem Ausland haben, hat sich von 41 % auf 44 % erhöht – Herzlichen Glückwunsch für 10 Jahre Arbeit!
Weiter ist die Finanzierung eines Auslandsaufenthalts vor allem in den Ostländern, wie Polen und Slowenien, aber auch in Portugal, schwierig. Dort ist es problematisch und kompliziert Auslandsstipendien oder Darlehen zu erhalten.
Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass in vielen Ländern die Umsetzung unterfinanziert erfolgt ist. So hat man in Deutschland die Bachelorstudiengänge auf 3 Jahre zusammen gekürzt und steht nun vor dem Problem, viel Stoff mit wenig Personal vermitteln zu müssen. Wie dieser Punkt die Studierenden betrifft, wissen wir ja selbst gut genug.
Auch wird herausgestellt, dass der Trend zum Master geht – bei den Arbeitgebern. Die meisten erwarten, dass ihre Arbeitnehmer nach dem Bachelor bis zum Master weiter studieren und somit der berufsqualifizierende Abschluss Bachelor in seiner jetzigen Umsetzung stark in Frage gestellt werden darf.
So bleibt einzig als positiv herauszuheben, dass die Politiker bei der Jubiläumskonferenz keine weiteren Baustellen aufreißen wollen für die zweite Phase des Bologna-Prozesses bis 2020. Vernünftig, denn es gibt ja noch genug Baustellen, die erst einmal vernünftig fertig gestellt werden müssen.


