NRW-Wissenschaftsminister Prof. Dr. Andreas Pinkwart (FDP) und Berlins Wissenschaftsminister Prof. Dr. E. Jürgen Zöllner (SPD) fordern eine „Extra-Campusmaut“ für ausländische Studierende an deutschen Hochschulen.
Derzeit werden ausländische Studierende meist deutlich seltener zur Kasse gebeten, wenn sie in Deutschland studieren. Dies soll sich jetzt ändern und die Gebühren sollen deutlich ansteigen, um die Studienbedingungen in Deutschland für die Allgemeinheit zu verbessern. Der Wochenzeitung „Die Zeit“ sagte Pinkwart: „Deutschland muss umdenken. Wohlhabende Ausländer sollten das bezahlen, was ein Studium hier in einer der angesehensten Wissenschaftsnationen der Welt wert ist.“ Weiter sagte Pinkwart, dass in anderen Wissenschaftsnationen, wie zum Beispiel in Großbritannien, Australien oder den USA ausländische Studierende ein finanzielles Plus brächten und hier in Deutschland der Staat „kräftig“ draufzahle.
Zöllner hat ähnliche Ansichten, wie Pinkwart. Nach dem Sozialdemokrat sei es möglich, „dass man über Studiengebühren für vermögende Nicht-EU-Ausländer, die nicht aus Entwicklungsländern kommen, nachdenkt.“ Für beide Wissenschaftsminister kommt die Erhöhung der Studiengebühren nur für Ausländer aus Staaten außerhalb der Europäischen Union in Frage, da EU-Bürger grundsätzlich wie Deutsche behandelt werden sollten.
In Deutschland sind 250.000 ausländische Studierenden eingeschrieben; mehr sind es nur in den USA und in Großbritannien. Die größte Gruppe der tatsächlich in Deutschland studierenden Ausländer bilden die Chinesen, danach folgen Russen, Polen, Bulgaren und Türken. Der studiengebührenfreundliche Pinkwart und der sonst studiengebührenabgeneigte Zöllner führen das Beispiel Australien an, in dem 8,8 Mrd. Euro durch die ausländischen Studierenden in die australischen Staatskassen pro Jahr fließen. In Deutschland sind es bei einer größeren Anzahl ausländischer Studierender nur knapp eine Milliarde Euro.
Fraglich ist jedoch, von welchen Studierenden die beiden Minister sich die Extraeinnahmen einzunehmen erhoffen: Neben den Chinesen kommen die meisten ausländischen Studierenden aus den EU-Ländern und bei den anderen Ausländern bleibt fraglich, wie viele Familien so begütert sind, dass sie ihren Kindern ein dann teures deutsches Studium bezahlen können.
Auch ist es fraglich, was bisher zu dem Andrang ausländischer Studierender geführt hat. So ist das Serviceangebot an deutschen Hochschulen für ausländische Studierende quasi inexistent. Eine Studie des Hochschul-Informations-Systems (HIS) belegt, dass jeder zweite Ausländer sein Studium in Deutschland abbricht. Nahezu 40 % der Ausländer haben 1-mal pro Woche oder seltener Kontakt zu deutschen Kommilitonen, über 30 % fühlen sich fremd an ihrer Hochschule.
Der AStA geht konform mit der UN-Charta (http://www.unric.org/de/charta) und sieht Bildung als ein Menschenrecht an, unabhängig von der Staatsangehörigkeit. Bildung muss also hürdenfrei möglich sein. Die Studiengebühren sind ein Schritt in die falsche Richtung – erhöhte Studiengebühren für Ausländer wären ein weiterer. Da Pinkwart die Studiengebühren in NRW für einheimische Studierende nicht über 500 Euro erhöhen kann, versucht er es jetzt bei ausländischen. Der AStA hält die von den Herren Wissenschaftsministern geführte Diskussion über das Thema für unangebracht und sieht die Notwendigkeit weiterer Diskussionen bei den Studiengebühren.





